Verhaltensauffällige Kinder integrieren

Submitted by Irmgard on

 

Kinder, die auffälliges Verhalten zeigen, wollen sich optimal positionieren. Ich will diese Kinder darin bestätigen, dass sie wichtig sind. Ich will sie glänzen lassen, denn sie sollen Königskinder sein. 

Engagiere ich mich in einer Kinderarbeit, können einzelne, die permanent stören, unsere Autorität missachten und sich nicht in eine Gruppe einfügen, unsere Kräfte, unsere Freude und die gute Stimmung im Handumdrehen auflösen. 

Neue aufnehmen

Oft weiss ich wenig über ein Kind, das neu in den Kids Treff kommt. Ich heisse es herzlich willkommen. Ich freue mich und lasse das Kind die Freude spüren. Meistens geht das wunderbar. Immer wieder begegnen mir verhaltensoriginelle Kinder, die für mich eine einzige Herausforderung sind. 

Manchmal bleibt mir ein erstauntes Kopfschütteln

Da gibt es diejenigen, die sich offensichtlich nicht gewohnt sind, Anweisungen zu befolgen. Es ist ihre Erfahrung, dass das Überschreiten von Grenzen keine Konsequenzen hat. Sie sind es, die den Ton angeben, und Erwachsene sind Diener.

Andere stören permanent. Auf originelle und vielfältigste Art und Weise suchen sie andauernd, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. 

Aussenseiter, die nicht auffallen

Dann gibt es noch die Scheuen. Leider werden diese nicht immer mit der nötigen Aufmerksamkeit wahrgenommen. Sie sind eigentliche Schatztruhen, die verschlossen bleiben, wenn es uns nicht gelingt, sie aufblühen zu lassen. 

Manchmal stockt mit das Blut

Da finden fünfjährige Kinder den Weg zu mir, die bei geringstem Anlass hemmungslos zuschlagen. Und es gibt diejenigen, die sich sofort, ohne geringste Distanz, auf meinen Schoss setzen und scheinbar am liebsten in mich hineinkriechen würden. Einzelne sind mir im Intimbereich zu nahe gekommen. 

Auffälliges Verhalten hat Ursachen

Wir ärgern uns über ausgeprägtes Fehlverhalten und wundern uns, wenn Kinder sich nur schwer in unsere Gruppe integrieren lassen. Es gilt zu bedenken, dass es bei jedem einzelnen dafür Gründe gibt. Kinder erleben und beobachten ihre Umgebung und lernen daraus. Manche sehen wenig Schönes, werden abgelehnt oder erleben gar Misshandlung und Übergriffe. Auch hinter schönen Haustüren können Kinder emotional verwahrlost sein. 

Einzelne haben ein spezielles Temperament. Verbreitet sind leichte Hirnfunktionsstörungen. Diese erschweren dem Kind die Wahrnehmung der Umgebung und des eigenen Verhaltens. Viele Kinder schwanken permanent zwischen Selbstüberschätzung und Minderwertigkeitsgefühlen. 

Wahrnehmen und bescheiden bleiben

Es ist wichtig Kinder bewusst wahrzunehmen. Als Grundhaltung will ich, dass beim Kind folgendes ankommt: «Ich sehe dich, du bist wichtig und du bist an meinem Herzen.»

Ich bin mir aber auch bewusst, dass meine Möglichkeiten beschränkt sind. Ich bin nicht ihr Vater und ich muss mich davor hüten, eine Rolle einzunehmen, die ich anschliessend nicht ausfüllen will und kann. Ich konzentriere mich auf meine Rolle z.B. in der Jungschi. Selbst wenn ich Schlimmes zur Ursache der Verhaltensauffälligkeit ahnte, hatte ich noch nie genügend Beweise in der Hand, um gegen das Umfeld zu klagen. 

Du bist wichtig

Bewusst suche ich in den Lektionen den Blickkontakt zu jedem einzelnen. Ich habe nicht eine Anzahl Kinder, sondern den Simon, die Lara, die Rahel und den Amin.

Ich suche nach den Stärken der Einzelnen und will sie nutzen und sie darin glänzen lassen. Die einen kann ich die Wandtafel putzen lassen, andere nehme ich als Statisten, wenn ich «erzähle». Ich lobe viel, baue auf.

Ich komme nicht in letzter Minute und muss normaler Weise anschliessend nicht gleich fortrennen. Ich nehme mir Zeit, viel Zeit. 

Gebet

Beten wir für «unsere» Kinder. Gott kann Herzen berühren und er tut es auch. Er berührt auch unser Herz. Schon mehrmals musste ich mir von Jesus für ein Kind Liebe schenken lassen. Nicht jedes Kind liegt mir als Typ gleich. Aber beten kann ich für alle. Gott hat da kein Problem. 

Sicherheit

Hier ist entscheidend, dass es mir gelingt, Sicherheit, Berechenbarkeit und Wahrhaftigkeit zu leben und dem Kind zu vermitteln. Da es unmöglich ist, dem Kind abzuverlangen, dass es aus sich heraus den Schritt in die Gruppe wagt, muss ich das Kind mit meinem Schutz, mit meiner Sicherheit stärken. Komme ich schlecht vorbereitet, habe ich vergessen, mich selber unter die mächtige Hand Gottes zu stellen und wirke ich unsicher, wird es mir unmöglich gelingen, einem scheuen oder schwierigen Kind gerecht zu werden. 

Wer ist der Rudelführer?

Es ist schön, wenn Erwachsene Kinderfreunde sind. In der Leiterschaft sind darüber hinaus Führer gefragt. Ich führe umsichtig. Meine «Schäflein» sind mir überaus wichtig, und sie wissen das, hören und spüren es. Ich lasse mir die Leiterrolle nicht von einem Kind abjagen. Ich gehorche auch Jesus. 

Disziplin

Nicht jeder Leiter braucht das gleiche Mass an Disziplin. Ich bin jeweils selber erstaunt, wenn Kinder finden, dass man bei mir so gut Unfug machen könne. Nun gut, ich mache gerne Spässe und geniesse es, wenn Kinder lustig sind. Ich kann locker führen und laufe nicht Gefahr, dass mir die Zügel entgleiten. Ich finde es unhaltbar, wenn andauernd um Disziplin gerungen werden muss. Ich hatte auch schon eine schwierige Zusammensetzung und musste konsequenter führen.

Wichtig ist: Egal, wo wir die Grenzen setzen, wir müssen sie durchsetzen. Tun wir es nicht, sind wir unglaubwürdig. 

Mobbing

Ich dulde es nicht, wenn ausgegrenzt wird! Tun sie es, reagiere ich heftig. Ich sage, dass mir das weh tut, nicht nur dem betroffenen Kind. Die Täter weise ich mit Nachdruck zurecht. Immer wieder habe ich sehr schwache Kinder. Es kann nur gelingen, dass diese nicht ausgeschlossen oder verlacht werden, wenn ich über der eigenen Haltung wache. Gelingt es mir, auch diesen mit Respekt zu begegnen? Kinder sind feinfühlig. In allen Punkten ist unsere Vorbildfunktion zentral. Beruhigen können wir uns einzig darin, dass die Rolle der Eltern entscheidender ist. 

Rituale

Es ist gut, immer wieder mit neuen Formen und Liedern für Schwung zu sorgen. Auch uns Leitern tut das gut. Es gilt aber zu beachten, dass Rituale und ritualisierte Abläufe dem Kind Sicherheit und Struktur geben. Besonders quirlige und ebenfalls unsichere, scheue Kinder sind dafür dankbar. 

Nähe und Distanz

Selbstverständlich sollen wir herzlich sein. Es gilt aber darauf zu achten, wann es entgleist. Es ist gut und tut wohl, wenn es gelingt, dass eine herzliche Vertrautheit entsteht. Allerdings werden auffällige Kinder oft distanzlos. Es hilft dem Kind nicht, wenn ich bei jedem Verhalten mitspiele. Als Erwachsener bin ich in der Verantwortung, Grenzen zu ziehen. Es besteht die Gefahr mit diesen Kindern, dass eigene Bedürfnisse auf ungute Weise gestillt werden. 

Begeistern

Lieber als über Disziplin nachzudenken, konzentriere ich mich darauf, wie ich «meine» Kinder begeistern kann. Wilde Kinder sind am einfachsten zu führen und auch zu integrieren, wenn ich sie mitreissen kann. Das kann ich nur, wenn ich selber begeistert bin. Ich muss unbedingt echt sein! Unmöglich bin ich mit der Botschaft der Liebe Gottes glaubwürdig, wenn ich dazu distanziert bin und diese nicht lebe. Das ist ein zentraler Punkt in der Teenager- und Kinderarbeit. Sie fordert total heraus. Erwachsenen kann ich vielleicht etwas vorgaukeln. In der Jugendarbeit gelingt die Täuschung nicht. Ich darf als Begeisterter begeistern, als Geliebter lieben und von der Liebe Gottes erzählen. Als von Gott getragener will ich, dass besonders auch die Aussenseiter sich von Jesus ergreifen lassen, sich fallen lassen in liebevolle, sichere und göttliche Hände. 

Jesus liebt Aussenseiter

Nicht alles wird sofort begriffen, auch von Kindern nicht. Ein sehr auffälliger kleiner Schläger konnte ich sehr für Jesus begeistern. An einem Sonntag erzählte er mir ganz aufgeregt, wie er einen anderen verprügelt hatte. Trotzdem habe dieser nicht begreifen wollen, dass Jesus ihn liebe.

Es gibt viel zu tun. Packen wir es an, mit Gottes Hilfe. 

Quellennachweis

  • Inhalt und Bild:
 Forum Kind Heft 3/05, Seiten 5-7. Pädagogik: Verhaltensauffällige Kinder und Aussenseiter integrieren. © Copyright www.forum-kind.ch
  • Autor: Bruno Indermaur, Landwirt, Pflegevater und Sonntagsschullehrer

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